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Special: Aborigines

Wie wohl bekannt ist, war Australien vor den Europäern nur von Aborigines (= von Beginn an) besiedelt. Ja, sie sollen sogar schon vor rund 50'000 Jahren hier gewesen sein. Damals gab es eine Landbrücke zwischen Südostasien und dem australischen Kontinent.

Es wird geschätzt, dass die Bevölkerung zwischen 750'000 und 1.5 Mio. Ureinwohner betrug. Sie lebten und leben auch teilweise heute noch als Jäger und Sammler und zogen als Nomaden durch das Land. Sesshaft sind sie nicht geworden, da das Land sehr gross ist und viele Reichtümer bot. Man nimmt an, dass es bis zu 500 Stämme gegeben hat, denen jeweils ein bestimmtes Stück Land gehört haben soll.

Die Bedeutung des Wortes Eigentum kennen sie nicht. Sie sehen sich viel mehr als Hüter des Landes. Der Begriff Familie dehnt sich auf die ganze Gemeinschaft aus.

Mit dem Eintreffen der ersten Sträflinge (1788) hat wohl das düsterste Kapitel Australiens begonnen. Die Aborigines wurden wie Tiere behandelt. Ihnen standen keine Rechte zu, ja, bis in die 1950er Jahren durfte sie legal von den Weissen erschossen werden. Viel Wissen und auch Weisheit ist so verloren gegangen. Man nimmt an, in dieser Zeit ¾ der Urbevölkerung getötet" wurden. Sie wurden in den 50er Jahren auch Opfer von Atombombenversuche in der Wüste, ohne jemals Hilfe erfahren zu haben.

Erst in den 60er Jahren wurde den Aborigines Rechte zuerkannt. Diverse Landstücke wurden ihnen danach zurückgegeben. So auch der Ayers Rock 1983. (Im Gegenzug leihen sie den Ayers Rock für 99 Jahren dem "Tourismus" aus.)


Kultur

Die Ureinwohner glauben, dass Australien einst wüst und flach war. In der Traumzeit (was nicht richtig übersetzt ist) wurden dann die Hügel, Flüsse etc. geschaffen. Dies geschah durch Gestalten jener Zeit, die ihren Geist dann in den verschiedenen Orten (wie Uluru) hinterliessen, bevor sie (die Gestalten) in den Himmel emporstiegen. So wird die Geschichte von Generation zu Generation in Form von Zeichnungen, Gesang und Tanz übermittelt. Oftmals werden die Zeichnungen alljährlich neu mit natürlich Farben in den Höhlen gezeichnet.
(Dreamtime ist in sofern nicht korrekt übersetzt, da es sich nicht um einen Traum handelt, sonder um etwas Geschehenes.)

Das Land ist für sie der Mittelpunkt des Universums. Es wird im Auftrag der Vorfahren und der Urgeister verwaltet.

Die Urbevölkerung lebte in einfachen Hütten oder unter Windschirmen. Instrumente für Jagd, Verteidigung etc. waren Speere, Bumerangs, Keule und Speerschleuder.

Gefühle und Erlebnisse werden bei den Aborigines durch Musik, Gesang und Tanz ausgedrückt. Bekannt ist in dieser Beziehung sicher das Didjeridus.


Und wie sieht es heute aus?

Die Existenzschwierigkeiten der Aborignies nehmen immer bedrohlichere Ausmasse an. Arbeitslosigkeit und der damit verbundene Alkoholmissbrauch sind heute das Problem. Es zeigt sich, dass das "Aufzwängen" von den weissen Gebräuche fehlgeschlagen sind und dass die Europäer sich nie Gedanken über ein friedliches zusammenleben nebeneinander gemacht haben.

Die Australier vertreten heute eher eine liberalere Haltung gegenüber der Urbevölkerung, auch wenn es in der Politik noch nicht alle tun.

Im Norther Territory, in dem ich mich gerade befinde, ist bereits eine Methode für die Aborigines in die Tat umgesetzt: Einige Stämme haben ihr Land (wie Uluru) wieder zurück erhalten und können selber darüber verfügen. Diese Selbstverwaltung durch die Aborigines ist erfolgreich umgesetzt worden.

Dennoch, gibt’s in diesem Teil Australiens noch viele Ureinwohner, die den lieben Tag lang nur herumhängen. Dieses Bild habe ich auch in Alice Springs erhalten. Da wurde ich zwei Mal von einer Frau, die nicht sehr gesund aussah, angefragt, ob ich ihr Geld geben kann. Naja, was mit dem Geld gemacht wird, weiss ich nicht, denn eben Alkohol ist für sie oft eine Lösung. So kann hier die Polizei die Aborigines auch kurzfristig verhaften, sprich sie führen betrunkene Ureinwohner in Käfigwagen aus der Stadt. Eine nicht ganz saubere Sache.

Wenn heutzutage einer der Urbevölkerung Mist baut (sprich Stehlen etc.), dann wird er oft nicht durch "unsere" Gerichte bestraft, sonder von seinem eigenen Stamm. Dies wird so zugelassen, da die Stämme teilweise selber sehr hart strafen. Im Buch steht, dass es mal ein Medizinmann gegeben haben soll, der einen Menschen töten konnte, in dem er einen zugespitzten Knochen auf ihn gerichtet hat.

Das wäre zusammengefasst, was im Buch steht. Eigentlich hätte ich auch das Buch sprechen lassen können, denn es ist sehr interessant geschrieben. Es ist nicht ganz einfach, das wichtigste zusammenzufassen.


Was ist meinen Eindruck?

In dem Jahr, als ich jeweils mittwochs in Zürich gearbeitet hatte, war die Zuglektüre das Buch "Traumfänger" oder so ähnlich von einer Amerikanerin. Das spannende Buch gibt sehr viel über das Leben, der noch echten Urbevölkerung preis. Zwar steht, dass dies erfunden sei. Ja, vielleicht der rote Faden im Buch, aber dennoch stehen da viele Dinge drin, die ich nun auch in Australien gehört habe. Also: Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen, wenn sich jemand mehr interessiert!

Die erste Begegnung mit einem Ureinwohner hatte ich in Adelaide gemacht. Die ganze Zeit zuvor hatte ich keinen gesehen. Hmm… Sie sehen schon etwas "gfürchig" aus, vor allem wenn sie da in der Stadt herumhängen. Dennoch bin ich überzeugt, dass sie grundsätzlich nicht böse oder gefährlich sind, wie man’s oft hört. Es gibt’s natürlich auch, doch mehrheitlich wird es anders sein. Dies haben mir auch die netten Nachbarn auf dem Zeltplatz in Melrose bestätigt.

Persönlich finde ich es sehr schade, was die Weissen der Urbevölkerung angetan hat und ich weiss nicht, ob man dies mit Geld wieder gut machen kann. Ich tippe mal auf nein! Man müsste wahrscheinlich neue Wege suchen, was aber wieder hiesst, dass man halt auf Gewisses verzichtet werden müsste. Keine einfache Sache in der heutigen Zeit. Alleine das Besteigen des für sie heiligen Ulurus müsste man verbieten, wenn man sie wirklich ernst nehmen und akzeptieren würde.

Spannend wäre es für mich gewesen, mal in einer solchen Gemeinschaft eins, zwei Tage leben zu können, doch wäre das sicher auch nicht sehr amüsant gewesen, z.B. schon wegen der Ernährung. Es gibt Ausflüge in solche Gemeinschaften, wo man was von ihrem Leben mitbekommen soll, doch die sind in der Regel teuer und halt wahrscheinlich zu touristisch, so dass es mich für mich nicht mehr sehr interessant gewesen wäre. Zudem ist es schwierig, sie wirklich zu verstehen, da ihre Sprache halt total andere Silben hat, was sich im Englischen ebenfalls auswirkt.

Ups. Zwei A4-Seiten geschrieben und der Akku ist auch bald leer. Ich sitze wieder einmal mehr im Auto auf einem Camping-Platz und verbringe so den Abend. Draussen ist es schon mehr als stockdunkel, obwohl es erst 20:45 ist.

Gute Nacht, morgen soll’s wieder früh los gehen…

PS: Noch einen Gedanken: Wie würden wir reagieren oder was würden wir unternehmen, wenn plötzlich die Amis oder sonst ein Land unser Land wegnehmen würde und ¾ der Bevölkerung töten würden? Das ist etwa das, was den Aborigines widerfahren ist.